Großer Feldberg im Taunus

Der Aussichtsturm 1903 und 2008
Der Feldberg - Aussichtsturm 1904 und 2008

Ereignisdaten der Geschichte des Großen Feldbergs im Taunus.
Von Hansjörg Meister, dem Ururenkel des ersten Wirtes des Alten Feldberghauses.

Vor fast 340 Millionen Jahren,

im Karbon-Zeitalter, entstand der Taunus, als sich durch die Kollision zweier Erdplatten die zuvor im Devon angesammelten Ozean-Ablagerungen auffalteten.

Die höchste Erhebung, nicht nur des Taunus, sondern auch des gesamten Rheinischen Schiefergebirges ist der Große Feldberg mit 878,5 oder 881,5 m ü. NN (über die exakte Höhe herrscht Unklarheit). Markant ist der Brunhildisfelsen aus Quarzitgestein.

400 v. Chr.

Die Kelten nannten das Gebirge "Daun" (oder "Dun"), was so viel wie "die befestigte Anhöhe" bedeutete. Auf dem Feldberg fehlen zwar keltische Spuren, doch die Ringwälle auf dem Altkönig und das Heidetränke-Oppidum an der Hohe Mark zeugen von ihrer Präsenz im Taunus.

Erstes Jahrhundert n. Chr.

Bei Tacitus, dem römischen Geschichtsschreiber, hießen unsere Berge bereits "Taunus". Die Einheimischen jedoch, die die Bergkette stets vor Augen hatten, sprachen bis ins 20. Jahrhundert von "der Höhe". So führten einige Städte und Dörfer diese Zusatzbezeichnung im Namen: Bad Homburg vor der Höhe, Rodheim vor der Höhe und Rosbach vor der Höhe.

200 n Chr.

Der vermutlich erste Turm auf dem Großen Feldberg war ein römischer Limes-Wachturm, dessen Reste auch heute noch in nordöstlicher Richtung etwas unterhalb des Gipfels zu finden sind. Zu dieser Zeit sollen nach römischen Angaben im Taunus die Mattiaker, ein Teilstamm der germanischen Chatten, gelebt haben. Sie haben allerdings auf dem Feldberg keine Spuren hinterlassen. Es ist ohnehin leichter, Aussagen über das Leben der Kelten zu machen, als über das der Germanen. Die Kelten haben uns die Reste des Oppidums und die Steine ihrer Ringwälle im Taunus hinterlassen, die Germanen hingegen bevorzugten zum Bau ihrer Häuser vorwiegend vergängliche Materialien wie Lehm und Holz, da bleiben nur wenig Belege ihrer Existenz. Hier sind wir auf die Niederschriften römischer Geschichtsschreiber angewiesen.

4. Jahrhundert

Die Franken besiedelten nach dem Untergang des Weströmischen Reiches den Taunus. Auch von ihnen konnten keine Spuren im Feldberg-Gebiet entdeckt werden, denn auch dieses germanische Volk hat erst um 800 n. Chr. Steinhäuser gebaut.

3. bis 6. Jahrhundert

Durch Dendrochronologie (Baumringdatierung) mit Proben von über 10000 Eichen aus Schweden, Finnland, Frankreich, Deutschland, Östereich, Italien, haben Wissenschaftler herausgefunden, dass das Klima ab 250 n. Chr. verrückt spielte, es war für über 300 Jahre deutlich kälter und die Niederschläge waren um 70% höher als zuvor. Man nimmt an, dass diese Klimaänderung die Völkerwanderung von Nord nach Süd einleitete und den Niedergang des Römischen Reiches beschleunigte, zumal 536 n. Chr. ein Komet in Erdnähe explodiert, der das Erdklima durch Asche- und Staubpartikel in der Atmosphäre fast zwei Jahre lang noch kälter werden ließ, man schätzt um 3-4°.

Ganz Europa war in Aufruhr, die germanischen Völker (Wandalen, Ost- und Westgoten, Langobarden und andere) drangen nach Süden vor, suchten neue Siedlungsgebiete und nahmen Völkern, die dort gelebt hatten, die Freiheit. Aus dem Osten kamen die Hunnen und versetzten alle Menschen in Angst und Schrecken. Den Taunus dominierten jedoch die Franken.

Wir überspringen ein paar Jahrhunderte.

1043

wurden in einer Urkunde des Erzbischofs Bardo von Mainz der Feldberg (veltperg) und der Brunhildisfelsen (lectulus Brunhildae / das Bett der Brunhilde) erwähnt.

Brunhildisfelsen

Der Brunhildisfelsen 2008

1205

Ab diesem Jahr hätte man vom Brunhildisfelsen aus den Baubeginn der Reiffenberger Burg beobachten können. Mit Cuno von Reiffenberg entstand die Herrschaft Reiffenberg, die bis

1667

bestand. Während seine Truppen die Burgen Reiffenberg und Hattstein besetzten, ließ der Mainzer Erzbischof den letzten Reiffenberger Ritter Philipp Ludwig in Würzburg gefangennehmen und zunächst auf der Festung Marienburg, später auf der Burg Königstein, einkerkern. Philipp Ludwig von Reiffenberg starb 1686 nach 18-jähriger Kriegsgefangenschaft. Sein Schwager Graf von Bassenheim übernahm den Besitz.

1730

wurden die sterblichen Überreste des Ritters Philipp Ludwig in die 1710 erbaute Hl.Kreuz-Kapelle, die ebenfalls vom Brunhildisfelsen deutlich zu sehen ist, überführt.

Ab Goethe steigen wir um ins Präsens: 1763

besteigt der 14-jährige Goethe mit anderen jungen Leuten aus Frankfurt den Feldberg. In Dichtung und Wahrheit erwähnt er auch Ausflüge nach Homburg, Kronberg (Kroneburg) und Königstein.

1783/84

Dieser Winter, und auch der folgende 1784/85, ist extrem kalt und schneereich. Im Januar ist es bis zu -30° Grad Celsius kalt. Im Sommer zuvor waren auf Island (Laki) und in Japan (Asama) Vulkane ausgebrochen, die für zwei bis drei Jahre die Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel der Erde durch eine Gas-Asche-Wolke verringerte.

18.10.1814

An diesem Tag steht Ernst Moritz Arndt (1768 - 1860) auf dem Brunhildisfelsen und hält eine Rede ans Volk. Mehrere Tausend Menschen sind auf den Feldberg gekommen, um dort am ersten Jahrestag des Sieges über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig, zu feiern. Am Abend brennen mehrere hundert Freudenfeuer die den Tälern. Vor einem Jahr hatten erstmals die größten deutschen Staaten nicht gegeneinander, sondern miteinander gegen einen gemeinsamen Gegner gekämpft. Es folgte eine Neuordnung Europas beim Wiener Kongress (18.8.1814 bis 6.9.1815).

1815

unterzeichnen 35 Fürstentümer und vier freie deutsche Städte die Verträge zum "Deutschen Bund". Napoleon hatte ungewollt erste Anfänge zur Bildung eines deutschen Staates gefördert. Er hatte bei denen, die gegen ihn kämpfen mussten, Zusammengehörigkeitgefühle geweckt.

Arndt, Schriftsteller und später Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, hofft jetzt, wie eine Reihe anderer Intellektueller, auf eine baldige Vereinigung der deutschen Staaten nach Vorbild Frankreichs.

Aber noch wollen die regierenden Fürsten nichts von ihrer Macht abgeben. Wer sich für eine von der Willkür der Fürsten befreite Staatsform einsetzt, der wird verfolgt.

Georg Büchner gründet die ´Gesellschaft für Menschenrechte` und verfasst eine Flugschrift ´Friede den Hütten, Krieg den Palästen` und muss 1835 nach Straßburg fliehen. Jacob Grimm, später Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, sein Bruder Wilhelm und fünf weitere Professoren werden vom König von Hannover des Landes verwiesen.

1832

Die Teilnehmer am ´Hambacher Fest` fordern ein vereinigtes Deutschland, Freiheit und Demokratie. Was diese Ereignisse mit dem Feldberg zu tun haben, das lesen Sie bitte weiter unten.

20.1.1842

Fritz Emminghaus aus Usingen ruft in dem Beiblatt des "Frankfurter Journals" zum Bau eines Aussichtsturmes auf dem Feldberg auf. Bereits am 5. Februar 1842 gründen 23 Frankfurter, unter ihnen der Verleger August Ravenstein, und zwei Homburger eine "Commission für Erbauung eines Hauses auf dem Feldberg". Man einigt sich auf ein Haus mit integriertem Turm.

1843

beschreibt der Pfarrer, Dekan und Schulinspektor Christian Daniel Vogel die Aussicht vom Feldberg in südlicher Richtung wie folgt:

Man siehet hier den Rhein wie einen Silberfaden von Straßburg her kommen, den Main kann das Auge bis Aschaffenburg verfolgen, und die ganze herrliche Gegend liegt wie eine Landkarte zu unseren Füßen, auf der man 12 Städte und gegen 100 Dörfer zählen kann.

Die durch die Industrialisierung verursachten Schwebstoffe in der Luft haben diesen Ausblick in die Ferne gänzlich zunichte gemacht.

Am 20. Juni 1844

findet auf dem Feldberg ein Volks- und Turnfest statt. Es werden Gelder für das geplante Feldberghaus gesammelt. Musik- und Gesangvereine spielen auf, die Jugend von Reifenberg trägt unter der Leitung ihrer Lehrer "schöne Lieder" vor. Ab 21h30 ist der Gipfel bengalisch beleuchtet. Wirte aus Königstein, Kronberg, Oberursel und Homburg bieten Getränke und Bratwust an, die Festwirtschaft hat Johann Anton Ungeheuer (1821 - 1910) aus Reifenberg übernommen. Der wichtigste Ideengeber zu alledem ist August Ravenstein.

1845

Das Feldbergfest wird unter Ravensteins Vorsitz als Turnfest fest installiert, muss aber

1848/49

Das Feldbergfest muss wegen der Reaktion des herrschenden Adels auf das Bestreben des Paulskirchenparlaments, aus den vielen Kleinstaaten ein Gesamt-Deutschland zu machen, mehrmals ausfallen: Der Landgraf von Homburg verbietet zehn Jahre lang das Betreten seines Feldberg-Drittels. An den Feldbergfesttagen lässt er zeitweilig 200 Soldaten aufmarschieren, die seinen Besitz absperren.

Die deutschen Landesherren fürchten die von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn gegründete Turnbewegung, die von Anfang an politisch motoviert ist. Die patriotischen Forderungen der Bewegung, die Kleinstaaten zu einem Gesamt-Deutschland zu vereinigen, Freiheit und uneingeschränkte Bürgerrechte für alle, ging den Potentaten zu weit. Jahn, der auch Mitglied der Frankfurter Nationalversammling ist, verbringt fast sechs Jahre seines Lebens in Gefängnissen.

Die anderen beiden Anteile des Feldberg-Plateaus gehören der ´Freien Reichsstadt Frankfurt` und dem Herzogtum Nassau. (Ab 1860 gehören Grafschaft und Herzogtum ohnehin zu Preußen. Das ahnen die Herrschaften zum Zeitpunkt ihrer Verbote noch nicht.)

Die Aristokratie hat Angst, Einfluss und Besitztümer zu verlieren. Die Mächtigen schikanieren die "Bürger", die sich so allerdings nicht mehr nennen dürfen, sie sind jetzt wieder "Untertanen".

Sieben Millionen Menschen wandern in der Zeit von 1814 bis 1914 aus deutschen Staaten aus, die meisten nach Amerika. Die Gründe hierfür sind Hunger (Weber) und Verfolgung durch die regierenden Monarchen.

Berühmte Dichter emigrieren oder flüchten ins Exil, Ferdinand Freiligrath Hoffmann, von Fallersleben, Heinich Heine, Ludwig Börne.

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass deutsche Intellektuelle aus ihrem Heimatland vertrieben werden.

1849

Das Feldbergfest findet in diesem Jahr auf dem Fuchstanz statt.

Aus Reifenberg wird Oberreifenberg und Niederreifenberg.

Oberreifenberg
Getrennt: Ober- und Niederreifenberg
Niederreifenberg

1852/53

wird die 1828 errichtete Holzhütte auf dem Plateau durch eine neue ersetzt. Aber auch diese Schutzhütte für Wanderer fällt bald darauf der rauhen Witterung zum Opfer.

1853

erstellt Johann Anton Ungeheuer, dem Besitzer des Hauses Ungeheuer in Oberreifenberg (heute Haus Reifenberg) und zugleich Bürgermeister der Gemeinde, mit der "Commission für die Erbauung eines Hauses auf dem Feldberg" einen gemeinsamen Bauplan. Mit dem Bau selbst kann aber noch nicht begonnen werden, weil der Herzog von Nassau das Vorhaben fünf Jahre lang blockiert.

1855

wird ersatzweise eine größere Bretterhütte am Brunhildisfelsen gebaut, deren Bewirtschaftung Johann Anton Ungeheuer übernimmt. Er ist auf einem Bild des Malers Heinrich Gustav Adolf Schmitz (1825 -1894) zu sehen. Von diesem Bild existiert nur noch eine Fotografie, weil das Original 1931 im Münchener Glaspalast verbrannte. In der Bretterhütte legt die "Commission" ein Fremdenbuch aus, in das sich die Besucher eintragen können. August Ravenstein ist darin mehrfach vertreten:

Bei tiefem Schnee und Eis am zweiten Januar

Begann der Taunusclub hierselbst das neue Jahr.
Bewahr der Herr das Haus vor Sturm und Brand,
Und dieses Buch vor schmutz'ger Frevler Hand.
Bescher' dem Wandrer ein gut Quartier,
Herr Ungeheuer stets, das wünschen wir.

1858

hat die Hausbau-Commission 2800 Gulden Spendengelder zusammen, sogar der Herzog von Nassau leistet einen Beitrag. Man kauft jetzt von der Gemeinde Oberreifenberg zwei Morgen Land zu je 50 Gulden, um das Haus auf Nassauer Boden zu errichten. Den ursprünglichen Plan, das Haus mit integriertem Turm auf dem höchsten Punkt des Berges zu errichten, vereitelt der Homburger Landgraf. Er verweigert die Baugenehmigung.

1859

kann August Ravenstein endlich den Grundstein zum Bau des Feldberghauses legen, das nach einem Riss des Architekten Velde aus Diez, der schon 1853 den Bau der neuen Oberreifenberger Georgskirche leitete, gebaut werden soll. Die Gesamtkosten sollen 5000 Gulden nicht übersteigen.

Nach dem Gesang der festlich geschmückten oberreifenberger Schuljugend hält August Ravenstein die Festrede und der Professor der Baukunst am Städelschen Institut Friedrich Maximilian Hessemer trägt sein zu diesem Anlass verfasstes Gedicht vor, das 17 Strophen umfasst. In seiner gereimten Ansprache kommt dreimal das Wort "Vaterland" vor und ist nur vor dem Hintergrund des Scheiterns der Revolution 1848/50 und den nachfolgenden Unterdrückungen und Bedrückungen der Menschen zu verstehen, die immer noch auf ein geeintes Deutschland hoffen.

1859/60

Die Bauzeit beträgt unter schwersten Bedingungen 14 Monate. Der Große Feldberg ist noch nicht erschlossen. Keine Straße führt nach oben, nur schmale Wege und Pfade, ähnlich wie das heute noch am Altkönig der Fall ist. Mit Pferdefuhrwerken holt man die Bausteine heran. Um die mühseligen Wege zu verkürzen, kauft man in Reifenberg noch verwendbares Baumaterial von abgerissenen Häusern, Scheunen und Ställen auf.

Das ´Alte Feldberghaus` mit integriertem Turm wurde 1859/60 erbaut

Am 12. August 1860

weiht Ravenstein das Feldberghaus ein, das ein Gastzimmer und zehn Schlafstellen und einen 40 Fuß (13m) hohen Turm hat. Natürlich hält er auch die Festrede, in der er von einem gemeinnützigen vaterländischen Werk spricht. Am Schluss übergibt er Haus und Gelände samt allen darauf ruhenden Lasten und Gerechtsamen an Johann Anton Ungeheuer, der die Bewirtschaftung und die Restfinanzierung übernimmt.

Es folgen weitere Redner, darunter Fritz Emminghaus aus Usingen und der Nagelschmied Friedrich Marx aus Arnoldshain.

Ein Problem bleibt allerdings ungelöst. Es gibt kein Wasser auf dem Feldberg, und so muss in den nächsten Jahrzehnten jeden Tag ein Hotelangestellter mit einem Hundegespann hinunter zur Weilquelle am Römerkastell fahren, um einige Kannen Wasser zu holen.

Das "Alte Feldberghaus" wird 35 Jahre allein auf dem Plateau des Großen Feldbergs stehen. Dann gibt es 1895 und 1899 Konkurrenz.

1861

Die Schikanen gegen die Turner, Sänger und zuschauende Besucher des Feldbergfestes gehen weiter. Der Landgraf von Hessen-Homburg lässt auf seinem Drittel des Feldberg-Plateaus Fichten pflanzen.

1866

verkündet Wilhelm I. die Eingliederung der Landgrafschaft Hessen-Homburg, des Herzogtums Nassau und der bis dahin freien Stadt Frankfurt in das Königreich Preußen. Und somit finden die Spiele

1867

erstmals auf preußischem Boden statt.

1868

gründet Ravenstein im ´Alten Feldberghaus` die erste deutsche Touristen-Vereinigung, den ´Bund der Feldbergläufer`. Der Verein nennt sich jedoch bald "Taunusklub" und sieht sich nicht nur als Wanderverein, sondern seine Mitglieder bauen auf vielen Berggipfeln Aussichtstürme, errichten Schutzhütten, legen Wege an und markieren sie. Als besonders wichtig erweisen sich die sozialen Dienste des neuen Klubs. Man versorgt notleidende Menschen im Hintertaunus mit Kartoffeln und Saatgut, man installiert eine Korbflechterschule in Grävenwiesbach und die Lehrerin Emilie Seipp aus Frankfurt lehrt Frauen aus Ober- und Niederreifenberg die Filet-Kunst.

18.1.1871

im Feldberghaus feiern Mitglieder des Taunusklubs die Proklamation Wilhelms des I. zum Deutschen Kaiser. Erstmals ist Deutschland geeint. Es wird einen Reichstag geben, allerdings dürfen nur Männer wählen, die älter als 25 Jahre sind. Das Parlament darf nur mitbestimmen. Es ist noch ein weiter Weg bis zu einer funktionstüchtigen Demokratie.

1871

Fritz Emminghaus, Mitbegründer der Feldbergfeste und Initiator des Baus des Feldberghauses, ist tot.

Das Feldberghaus muss bereits um 115 m² erweitert werden. Der Turm ist bereits baufällig und wird abgebaut. August Ravenstein ist Gast bei der Einweihungsfeier des Anbaus am 25.8.1872.

Altes Feldberghaus nach dem Erweiterungsbau
Das Alte Feldberghaus wird bereits 1871/72 erweitert

1874

wird hauptsächlich von italienischen Gastarbeitern die sogenannte Kanonenstraße Oberursel- Sandplacken- Schmitten am Feldberg vorbei gebaut. Dorthin führen, neben einigen Wanderpfaden, nach wie vor nur Schotterwege vom Roten Kreuz und vom Sandplacken her.

Im Juli 1875

wird das Feldbergfest wegen eines Gewitters abgebrochen und im August auf dem Neroberg in Wiesbaden wiederholt.

1878

Das Jubiläumsfeldbergfest wird vom Landrat in Bad Homburg zunächst verboten. Es werden sozialdemokratische Aufmärsche befürchtet. Angesehene Turner aus Frankfurt erreichen unter strengen Auflagen die Rücknahme des Verbots. 40 ältere Turner müssen dafür sorgen, dass nicht in geschlossenen Trupps marschiert wird, dass keine Corporationen aufziehen, dass das Mitführen von Fahnen, Trommeln und Musikinstrumenten unterbleibt. Die 40 ordnenden Turner müssen aus Frankfurt, Wiesbaden, Homburg und Usingen sein, auf keinen Fall jedoch aus Offenbach, Hanau oder Höchst.

22.6.1879

Das Feldbergfest muss wegen schlechten Wetters in Höchst am Main auf der Wörthspitze stattfinden. Preisverleihung im Bürger-Casino.

1880

Auf Betreiben August Ravensteins werden über 20 Schwesternstationen eingerichtet. Die Dernbacher Ordensfrauen pflegen in den Taunus-Dörfern Kranke und ihre Häuser sind zugleich Kindergärten.

1881

Der Taunusklub versorgt 13 Taunus-Gemeinden, darunter alle Hochtaunusdörfer, mit Saatkartoffeln, Lebensmitteln und Sachspenden.

Der Verleger August Ravenstein
Verleger August Ravenstein

1881

stirbt August Ravenstein (72), Verleger, Gründer des Feldbergfestes, des Taunusklubs und Mitbegründer des Frankfurter Palmengartens.

Gottlieb Schnapper-Arndt (* 1846 in Frankfurt am Main, + 1904 in Halberstadt) lebt 1881 ein Jahr lang mit den Bewohnern der fünf Hochtaunus-Dorfgemeinden. Er betreibt dort statistisch-soziologische Feldforschung. Später schreibt er in Tübingen seine Dissertation darüber und veröffentlicht sie. Er ist damit der Begründer dieser Sparte der Soziologie.

Schnapper-Arndt beschreibt in seinen Aufzeichnungen die für heutige Verhältnisse unfassbare Armut der Menschen, die trotz 16-stündiger Arbeit in kleinen Nagelschmieden, beim Filetknüpfen, Haarklemmenstecken oder der Feldarbeit kein Auskommen finden. Auch Kinder arbeiten 16 Stunden am Tag, nur von vier Schulstunden unterbrochen.

Im Hochtaunus gibt es 1881 295 Nagelschmieden. Für einen Nagel benötigt der Schmied 25 Hammerschläge. Wenn er seine meist große Familie ernähren will, dann muss er in fünf Tagen 12500 Nägel herstellen, und sie am sechsten Tag an Händler in den großen Städten Frankfurt und Wiesbaden verkaufen.

1882

Hansjörg Ungeheuer
Zweiter Feldbergwirt Hansjörg Ungeheuer

Johann Georg Daniel Ungeheuer (1844 - 1898), genannt Feldberg - Johann, Rufname Hansjörg, und seine Ehefrau (seit 1872) Agnes, geb. Waldschmitt (1851 - 1900) aus Oberreifenberg übernehmen das ´Alte Feldberghaus` aus den Händen von Johann Anton Ungeheuer, der aber das Haus Ungeheuer (heute Haus Reifenberg) in Oberreifenberg weiterführt.

1882

Der Taunusklub errichtet Schüler-, Studenten- und Lehrlingsherbergen im Taunus.

1893

wird das 25jährige Bestehen des Taunusklubs gefeiert. Das Feldberghaus ist mit bunten Fahnen und Tannengrün geschmückt.

1894

schreibt August Knyrim, der Nachfolger Ravensteins als Taunusklubvorsitzender, dass sich stets am 1. Jan. Naturfreunde treffen, die gemeinsam mit dem Zug nach Cronberg fahren und dann über Falkenstein und dem Fuchstanz zu dem auf dem Gipfel des Feldbergs hausenden "Ungeheuer" wandern. Gemeint ist der Feldbergwirt gleichen Namens. Er wird im Gästebuch immer wieder genannt:
Wenn in der Vorzeit alle Ungeheuer,
Die einst auf Raub in diesen Wäldern schlichen,
Hier unser'm Johann Ungeheuer glichen,
In dessen Höhle gut und gar nicht teuer man lebt,
dann muss doch wohl in unsern Tagen,
Wahrhaftig jeder schmerzlich es beklagen,
Dass uns von allen jenen Schreckgestalten,
Dies eine Exemplar nur blieb erhalten.

1894

darf erstmals eine Frau die meisten Taunusklub-Touren mitwandern.

1895

wird das ´Neue Feldberghaus`, Haus Friedrich Sturm, eingeweiht.

1896/97

baut Philipp Gutacker das dritte Feldberghaus ´Walküre`, Besitzer ist Jakob Ungeheuer aus Niederreifenberg.

22.9.1898

Der Wirt des ´Alten Feldberghauses` Johann Georg Daniel Ungeheuer stirbt auf dem Großen Feldberg. Zu den Hinterbliebenen gehören 6 Töchter und 4 Söhne.

1898

Hier unkommentiert der Besuch des Prinzen von Wales, dem Sohn von Queen Victoria und späteren König Edward VII (1901-1910) im ´Alten Feldberghaus`:

Aus Touristische Mittheilungen von Dr. Wilhelm Christian Lange/Cassel/Jahrgang 1897/98

1901

Unter dem Taunusklub-Präsidenten Peter Kittel kommt es zur Grundsteinlegung für den Bau eines festen Thurmes auf dem Feldberg. Architekt Adolf Haenle, Baufirma Holzmann aus Frankfurt.

Die Einweihung 1902
1902 wird der Feldberg- Aussichtsturm eingeweiht.

1902

findet bereits die Einweihung statt. Festredner sind der Frankfurter Oberbürgermeister Adickes und Peter Kittel.

Auch Kaiser Wilhelm II. gehört zu den Besuchern.

In Büchern und auf Postkarten aus dieser Zeit wird das ´Alte Feldberghaus` meiner Ungeheuer-Vorfahren als ´Absteige-Quartier für hohe und höchste Herrschaften` bezeichnet.

Der Kaiser und seine Familie, aber auch englischer Adel, machten vorzugsweise in Wiesbaden und in Bad Homburg Erholungsurlaub. Wenn die Herrschaften nachmittags mit ihren Kutschen auf dem Großen Feldberg einzukehren gedachten, dann suchten bereits morgens Bedienstete meinen Großvater auf und bestimmten, welche Räume abzusperren seien. Kam der Kaiser selbst, so musste auch ein Terrain um das Haus herum gesperrt werden.

Um die Jahrhundertwende hatte sich ein Fotograf auf dem Feldberg niedergelassen, der viele Besucher fotografierte. Eines Tages war das Feldberghaus wieder einmal abgesperrt. Ein Junge lief über das Plateau, der Fotograf bemerkte ihn, wollte für Ordnung sorgen, und fragte: "Wo willst Du dann hie, Bubsche? Du derfst hier nit dorsch die Absperrung laafe." Die Antwort des Knaben: "Ich will zu meinem Vater." "Un wer is Dein Vadder?" "Na ja, der Kaiser." Und verschwand im ´Alten Feldberghaus` zu seinem Papa, dem Kaiser. (Wilhelm II. hatte sechs Söhne und eine Tochter)

26.5.1902

Die Brüder Jean (1877 - 1952) und Christian Ungeheuer (1881 - 1931) übernehmen das "Alte Feldberghaus". Jean ist in Monaco zum Hotelier ausgebildet worden, Christian hat den Beruf des Küfers erlernt.

Christian Ungeheuer und Ehefrau Apollonia _geb Schmitt
Elisabeth Ungeheuer, geb. Schmitt und ihr Ehemann Jean Ungeheuer

1904

Martin Pfeifer wird auf einer ´Neckarsulm`, die eine Motorleistung von 2,5 PS hat, mit einem Schnitt von 38 km/h erster Sieger eines Motorradrennens am Großen Feldberg im Taunus. Die Behörden mussten für den Renntag die damals erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 30km/h aufheben.

So sah damals eine ´Neckarsulm` aus
Eine ´Neckarsulm´ von 1907

1907

An der Nord- und Ostseite des ´Alten Feldberghauses` werden Terrassen angebaut.

1907 Feldberghaus im Winter
Altes Feldberghaus im Winter

5.4.1910

Kaiser Wilhelm II besucht den Großen Feldberg.

10.9.1910

Die Zarenfamilie beehrt das ´Alte Feldberghaus`.

1913

wird vom Physikalischen Verein Frankfurt ein Observatorium auf dem kleinen Feldberg errichtet.

Bei einer Bergprüfung für Automobile belegen Fahrzeuge der Firma Adler /Frankfurt die vier ersten Plätze.

Und, ganz wichtig, es wird ein Wasserwerk gebaut, das den Großen und den Kleinen Feldberg versorgt.

1914-18

Erster Weltkrieg.

1918 bis 1925

Franzosen besetzen und sperren das Feldberg-Plateau, es darf von Deutschen nicht ohne Genehmigung betreten werden.

An Stelle der Feldbergfeste finden in Homburg und Mainz-Kastel Ersatzveranstaltungen statt. Ab 1922 dürfen auch Frauen an den Spielen teilnehmen.

1920

Am 31. Oktober finden die ersten Feldbergrennen für Automobile und Motorräder nach dem Ersten Weltkrieg statt. In den 20er Jahren auf der Strecke Hohe Mark - Sandplacken, in den 30ern dann von der Hohe Mark zum Feldberg-Gipfel. Den Siegern dieser Rennen ist in den Statistiken gebührend viel Platz gewidmet. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nur die Leistungen der Siegerinnen würdigen.

Niemals mehr gibt es so viele erfolgreiche Berufsrennfahrerinnen wie in den 20er Jahren. Hier die Klassensiegerinnen bei den Feldbergrennen:

1926 Friedel Wessinger/SW/Wanderer,
1927 Lore Keller/SW/FN,
1927 Liliane Röhrs/Adler,
1927 Änne Wiest/Hanomag,
Zweitplatzierte Frauen:
1922 Ines Folville/Steiger,
1927 Gräfin von Einsiedel/Steyr
1927 Ines Folville/Amilcar
Gut platziert auch Franziska Lüning, Erna Glöckler, Else Bull.
Auch auf anderen Rennstrecken sind in den 20ern Frauen sehr erfolgreich.

Dieser Frauenemanzipation, die nicht nur auf die schnellen Räder beschränkt war, bereiten die Nazis in den 30er Jahren ein jähes Ende. Lediglich die Schweizerin Cilly Staerkle schafft am Feldberg an der Seite ihres Mannes 1936 einen Seitenwagen-Doppelsieg.

Ines Folville vor dem Feldberg-Aussichststurm
Steiger-Werksfahrerin Ines Folville vor dem Aussichtsturm des Großen Feldbergs.
Mit freundlicher Genehmigung von Michael Schick www.steiger-burgrieden.de

1921

Nach dem Ausscheiden seines Bruders Jean, verkauft Christian Ungeheuer das ´Alte Feldberghaus` an Carl August Hahn. Auch Jakob Ungeheuer, Niederreifenberg, verkauft 1921 sein Feldberg-Gasthaus ´Walküre`. Neuer Besitzer: Karl Geis, Königstein.

1922

Das Feldberg-Plateau zu Zeiten franzoesischer Besatzung
Sieben Jahre war das Feldberg-Plateau nach dem
Zweiten Weltkrieg von den Franzosen besetzt

1924

Erlaubnisschein der Besatzungsmacht
Mit der freundlichen Erlaubnis von Elmar Ickstadt/Mainz

Die französische Besatzungskommission setzt Herrmann Kowald/Oberreifenberg als Förster und Hegemeister des Feldberg-Forstreviers ein. In seiner Amtszeit werden der nach dem jüngeren Bruder Kaiser Wilhelms II benannten Prinz-Heinrich-Weg vom Roten Kreuz zum Großen Feldberg, als auch der Weg vom Sandplacken zum Großen Feldberg zu Straßen ausgebaut. Auch der Bau der "Großen Feldberg-Sprungschanze" am Nordwesthang fällt in seine Amtszeit.

1926

60 Jahre Taunusklub.

Taunusklub Oberreifenberg
Taunusklub Oberreifenberg

Am 10.9.1926

treten die Verträge von Locarno in Kraft. Deutschland wird wieder Mitglied des Völkerbundes, die französischen Truppen verlassen den Großen Feldberg.

Am 18.9.1926

besuchen Komponist Paul Zilcher und seine Frau Emmy das ´Alte Feldberghaus`. Paul Zilcher schenkt uns im Gästebuch ein ´Moderato`. Ob das schon einmal gespielt wurde?

Ob das schon mal gespielt wurde?

1927

25 Jahre Feldberg Aussichtsturm.

Foto von 1926
Großer Feldberg im Taunus 1926

1928

1928 ist die Jazzband "Weintraubs Syncopators" mit Franz Wachsmann, Kurt Kaiser, Paul Aronovici, Horst Graff, Ansco Bruinier und Stefan Weintraub im ´Alten Feldberghaus`. Die damals weltweit bekannteste deutsche Jazzband ist in 20 Spielfilmen zu sehen, u. a. in "Der blaue Engel" mir Marlene Dietrich. Als die Musiker 1933 als "Nichtarier" Spielverbot erhalten, wandern sie nach Australien aus. Es ist schicksalhaft, dass sie dort bald als "feindliche Ausländer" ebenfalls Spielverbot erhalten und sogar für über ein Jahr interniert werden. Beschämend ist dabei die Rolle der Musiker-Gewerkschaft. Stefan Weintraub ist gezwungen, als Mechaniker zu arbeiten.

Jörg Süßenbach und Klaus Sander drehen 2000 einen Film über das Schicksal der Band. Mit dem NS-Regime geht in Deutschland in allen Bereichen der Kunst eine Blütezeit zu Ende. Bis heute, 2010, ist der Rückstand, in den Deutschland dadurch geraten ist, nicht ganz aufgeholt. Gleiches gilt auch für fast alle Wissenschaftszweige, was mich angesichts einer Statistik aus dem Jahre 1905, die besagt, dass damals, getrennt nach Religionen, 5% der katholischen Schüler, 7% der evangelischen Schüler und 70%! der jüdischen Schüler das Abitur gemacht haben, nicht wundert.

Die Vernichtung der europäischen Juden ist eine Hypothek, die wir zu tragen haben und die auch nicht von der Zeit getilgt werden kann.

Die bekannteste deutsche Jazzband der 20er Jahre
Die Weintraubs Syncopators im Alten Feldberghaus
Mit freundlicher Genehmigung des Hochtaunusarchiv Bad Homburg

1931

wird die ´Brunhildis`-Eiskunstlaufbahn auf dem Feldberg-Plateau erbaut.

Am 26. und 27. Juni landen Eugen Stein und Ludwig Kelting mit der Ju D373 und dem Doppeldecker D1936 der Firma Max Gerner auf dem Feldberg-Gipfel. Laut Wikipedia gibt es zwischen 1907 und 1945 28 Flugzeugbauer und Zulieferer im Raum Frankfurt, einer davon ist Max Gerner (1900-1977).

Eugen Stein mit der JU
Ludwig Kelting landet mir der Gerner
Zwei mutige Piloten, Eugen Stein und Ludwig Kelting, landen auf dem Feldberg.
Gefunden im Hochtaunusarchiv Bad Homburg

Am 21. August 1932

erprobt der Pilot Willi Liebeskind aus Frankfurt das Feldberg-Plateau erfolgreich als neues Segelfluggelände. Es gelang ihm ein erster Start und eine gute Landung. In einer Zeichnung wird dieses Ereignis im Gästebuch Hahn des ´Alten Feldberghauses` festgehalten.

Jemand zeichnete dieses Ereignis
Fritz Liebeskind landet im August 1932 mit
einem Segelflieger auf dem Feldberg-Plateau.
Aus dem Hochtaunusarchiv Bad Homburg

1933

"Gleichschaltung" des Taunus-Klubs mit nationalsozialistischen Vereinen.

1935

Mit Gewehr Revierförster Hermann Kowald
35 Männer waren beim Straßenbau Sandplacken - Feldberg beschäftigt.
Mit freundlicher Genehmigung von Elmar Ickstadt

1936

Erstmals können die Teilnehmer der Feldberg-Bergrennen für Motorräder und Automobile bis zum Gipfel fahren, denn die Schotterstrecke vom Sandplacken zum Feldberg ist 1935 geteert und ausgebaut worden. Die Rennstrecke ab der Hohe Mark ist jetzt 12 km lang. Zu den diesjährigen Siegern gehören: Arthur Geiss DKW 250cm³ und Oskar Steinbach NSU 350cm³. Die Rennen zählen, wie bereits die bisher zwischen Hohe Mark und Sandplacken ausgetragenen Läufe über 8km., zur Deutschen Bergmeisterschaft.

Im Juni trainiert die Olympia-Fechtmannschaft im ´Alten Feldberghaus`. Mit Stefan Rosenbauer, Erwin Casimir, August Heim, Julius Eisenecker und Helene Meyer sind fünf Medaillengewinner dabei, und auch Hedwig Hass, Eugen Geiwitz, Siegfried Lerdon und Olga Ölkers, die alle schon Deutsche Meistertitel gewonnen haben, gehören zur Mannschaft.

Tilly Fleischer , Olympia-Siegerin im Speerwerfen, erholt sich nach der Olymiade auf dem Feldberg und trägt sich in das Gästebuch der Familie Hahn ein.

Deutsche Olympia-Fechter
Olympia-Fechtmannschaft von 1936
Hochtaunusarchiv Bad Homburg

1937

Das ´Alte Feldberghaus` und die ´Walküre` werden abgerissen. Sie müssen einem neuen Fernmeldeturm weichen, von dem aus Fernsehprogramme ausgestrahlt werden sollten.

Der Geburtsort des Fernsehens ist Berlin-Witzleben. Von dort werden bereit 1929 erste Versuchssendungen ausgestrahlt. Die Firmen Telefunken und AEG montieren einen fahrbaren Fernsehsender auf zwölf LKWs und bringen ihn in Hamburg, auf dem Brocken im Harz und auf dem Großen Feldberg im Taunus zum Einsatz. So werden 1936 vom Feldberg aus schon erste Fernsehbilder ausgestrahlt. Ein vollen Fernsehprogramm soll dann von dem neuen Turm aus folgen. Hitlers Angriff auf Polen verhindern jedoch diese Pläne.

Das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt wird seit dem 22. März 1935 vom Fernsehsender Paul Nipkow/Berlin ausgestrahlt, BBC/London folgt im Oktober. In Deutschland können 1936 bereits 160000 Menschen die Olympischen Spiele am Fernsehschirm verfolgen.

Im Archiv des Hochtaunuskreises in Bad Homburg werden die beiden letzten Gästebücher des Hauses aufbewahrt. Man findet berühmte Namen darin: Die Mitglieder des Jazz-Orchesters "Die Weintraubs Syncopators", Teilnehmer der Olympischen Spiele von 1936 und die bekannte Fliegerin Elly Beinhorn. Auch viele Motorradrennfahrer wie Arthur Geiss, Heiner Fleischmann, Sepp Giggenbach, Otto Kohfink u.a. sind in den Büchern verewigt.

Zeichnung von Fritz Wucherer
Der Fernmeldeturm im Aufbau, eine Zeichnung
von Fritz Wucherer *1873 Basel, +1948 Kronberg.
Mit freundlicher Erlaubnis des Hochtaunusarchivs Bad Homburg

Im Februar wird mit dem Bau des Fernsehturms auf dem Feldberg-Plateau begonnen. Das Richtfest ist bereits im Herbst. Dennoch verhindert der Kriegsbeginn die Fertigstellung des Senders.

Von den drei Gasthäusern bleibt nur der Feldberg-Hof der Familie Sturm erhalten.

stand nur 7 Jahre
Der Turm von 1937

4.12.1943

rammt ein deutsches zweimotoriges Militärflugzeug, das in Erfurt gestartet war und zum Rhein-Main-Flughafen will, den Aussichtsturm. Der Benzintank explodiert und der Turm brennt aus. Elf Menschen sterben, darunter die sechsköpfige Flugzeugbesatzung, die Ehefrau des Turmwärters und ein Wehrmachtsfunker. Vergitterte Fenster versperren den Menschen den Weg nach draußen, sie müssen ersticken.

danach
1943 rast ein Flugzeug in den kleinen Turm.
Foto mit freundlicher Erlaubnis von Ludwig Wagner

1944

Ein deutsches Militärflugzeug stürzt unterhalb des Gipfels, neben dem Fuchstanzweg, zwischen dem Schülerheim des Goethe-Gymnasiums und der Wegekreuzung oberhalb der ´Heimlichen Wiese`, in den Wald. Zwei Insassen kommen mit dem Leben davon, drei Soldaten sterben.

Am 2.3.1945 12h10

donnern mit beängstigendem Getöse neun englische Thunderboldt-Maschinen mit je zwei 1000 kg-Bomben unter den Tragflächen dicht über die Dächer der Taunus-Gemeinde Oberreifenberg hinweg und zerstören Minuten später den großen Fernmeldeturm auf dem Feldberg. 17 Bomben verfehlen ihr Ziel, sie legen aber den Feldberg-Hof und alle umliegenden Gebäude in Schutt und Asche. Die 18. und letzte Bombe trifft. Jedoch ihr eigentliches Ziel, den Störsender, verfehlen die Engländer. Den hatte die Wehrmacht 1944 ca. 50 m abseits des großen Turmes installiert.

Zum Zeitpunkt des Angriffs befinden weit über 100 Menschen auf dem Plateau. Keiner wird verletzt. Selbst Heribert Grambusch, der im 10. Stock des Turmes als Funker arbeitet und seine Kollegen in den Stockwerken darunter erreichen rechtzeitig die Luftschutzräume.

Man erzählt, eine der englischen Maschinen habe vor der eigentlichen Attacke den Turm umflogen, um den Menschen Zeit zur Flucht zu geben.

Der Berggipfel bietet nach dem Angriff einen
trostlosen Anblick. Das Foto ist von Walter Elkins Florida

29.März 1945

Panzer der US-Army rattern durch Oberreifenberg, aber erst

am 30.März 1945 (Oster-Samstag)

werden die ersten Häuser beschlagnahmt. (Haus Martha, Haus Reifenberg). Amerikaner besetzen den Feldberg.

4.April 1945

Acht Wochen lang werden im ´Haus Reifenberg` und im ´Haus Martha` englische Piloten einquartiert, darunter auch jener, der die 18. Bombe warf.

Einer der Offiziere, der im Haus Martha einquartiert ist, berichtet: "Wir waren schon einmal hier und sahen Euch in Euren Liegestühlen ruhen und dachten, da müssen wir unbedingt unseren nächsten Urlaub verbringen."

Schwarzer, englischer Humor!

19.9.1945

Die amerikanische Militärregierung vereinigt die ehemaligen preußischen Provinzen Kurhessen und Nassau sowie den Volksstaat Hessen-Darmstadt zum Land Großhessen. Der Name wurde am 1.12.1946 in Hessen umbenannt. Der Große Feldberg ist somit hessisch.

1946

trostlos
Das Plateau des höchsten Berges des Rheinischen
Schiefergebirges sieht noch trostlos aus. Hochtaunus-Archiv

1949

lässt der Hessische Rundfunk den Aussichtsturm unter der Vorgabe, dass dieser auch als Antennenträger zur Abstrahlung des UKW-Programms dienen darf, von der Firma Holzmann wieder aufbauen.

1950

wird der neue Feldberg- Aussichtsturm eingeweiht.

Auch das Feldbergfest findet erstmals nach dem Krieg wieder auf dem Feldberg-Plateau statt.

Für die Deutsche Post beginnt Holzmann ab Mai 1950 mit den Bauarbeiten am großem Fernsehturm. Zur besseren Abstrahlung der Programme sind jetzt die oberen 10 Stockwerke aus Holz. Ab Nov. 1951 geht ein Fernseh-Versuchssender in Betrieb und am 1. Weihnachtstag 1952 wird erstmals ein Fernsehprogramm ausgestrahl. (Ab 1983 wird kein Bedienungspersonal mehr nötig sein, denn gesteuert werden die digitalen Geräte vom Frankfurter Fernsehturm aus).

Was 1929, beziehungsweise 1936, in Deutschland begonnen wurde, kann jetzt fortgesetzt werden.

2.10.1950

Das erste Feldbergrennen nach dem Krieg für Motorräder, Sport- und Rennwagen wird ausgetragen. Ab 1951 gehören die Rennen zur Deutschen Straßen-Meisterschaft. Es sind nur noch Motorräder zugelassen, weil Rennwagen auf der schmalen Strecke kaum überholen können. Zu den Siegern gehören die Welt- und Europameister: Schorsch Meier, Noll / Cron, Werner Haas, H.P. Müller und Ewald Kluge. Mehr unter: www.feldbergrennen.de

1952

Franz Bradler vom SCT Frankfurt, der 1954 bei den Deutschen Alpine-Ski-Meisterschaften Flachlandmeister in der Dreierkombination wird, stellt auf der "Großen Feldberg-Sprungschanze" mit 40m einen neuen Rekord auf.

In den Wintern der 50er Jahre gibt es im Taunus noch reichlich Schnee. Auf dem Nordwest-Abhang des Feldbergs, dem "Siegfriedschuss" und der "Heimlichen Wiese", werden sogar Bezirks- und Hessische Meisterschaften ausgetragen. Einen Lift gibt es nur auf der "Heimlichen Wiese", nicht aber am "Siegfriedschuss". An Schnee-Sonntagen werden Busse eingesetzt, die die Sportler nach einer Abfahrt bis zum Gasthaus "Weilquelle" in Niederreifenberg wieder zum Feldberggipfel bringen.

1953

Der Heimatforscher Karl Beuth (1879-1953) stirbt in Oberreifenberg.

1955

Erb/Jordan gewinnen die Deutsche Juniorenmeisterschaft im Zweierbob auf der von Philipp Schneikert erbauten neuen Bobbahn zwischen Feldberg und dem Schülerheim des Goethe-Gymnasiums bei Oberreifenberg.

1956

Hans Rösch wird auf der Feldberg-Bobbahn Deutscher Viererbob-Meister vor Franz Schelle. Feldbergpokal-Gewinner wird Olympia-Sieger Anderl Ostler.

Impression am Aussichtsturm Anfang der 60er Jahre.

1961

Ab 17. Oktober 1961 gibt es vom Großen Feldberg aus ein zweites Fernsehprogramm, das ZDF.

1964

Ab 6. Oktober wird vom Fernsehturm des Großen Feldbergs das 3. Hessische Fernsehprogramm ausgestrahl.

1965

wird auf dem Großen Feldberg eine Falknerei eröffnet. Mittlerweile ist sie die älteste in Hessen. ( Adler-Freiflug bei gutem Wetter).

1968

100 Jahre Taunusklub, mit dankbarem Gedenken an August Ravenstein.

1970

Ein Liftbetreiber legt die Nordabfahrt mit Kunststoff-Noppenmatten aus und ermöglicht sommerliche Skiabfahrten vom Großen Feldberg bis zur Siegfriedstraße, die längste Kunststoffpiste der Welt. Die Eröffnung nimmt der hessische Minister Horst Schmitt am 11.11. 1972 vor.

Leider gehen aber Stürze auf den viel zu harten Matten nicht ohne Verletzungen ab. Knochenbrüche, Prellungen, Verbrennungen sind die Folge. Eine junge Dame wagt eine Abfahrt im Bikini, stürzt, ihr ganzer Körper ist voller Schürfwunden.

Die einzige Sommer-Skiabfahrt Deutschlands scheitert an ihrer Gefährlichkeit. Auch die Kunststoffmatten sind nicht sehr haltbar und zerbröseln nach einigen Jahren völlig. Heute hat sich die Natur von dem Kunststoffangriff erholt. Sogar Heidekraut wächst wieder im August.

1988

ist dann nach einem Brand des Schleppliftes auch das Ende des Winterbetrieb der Nordbahn besiegelt.

1994

Das Feldbergfest besteht jetzt 150 Jahre.

1996

Das letzte der drei im 19ten Jahrhundert erbauten Feldberghäuser, das Haus Sturm, wird abgerissen.

1998

Der Physikalische Verein Frankfurt am Main errichtet eine Sternwarte auf dem Kleinen Feldberg.

2001

Das Hotel und Restaurant ´Feldberghof` wird eingeweiht. Ein Raum des neuen Gebäudes ist eine Außenstelle des Standesamtes Schmitten/Ts. Freitag ist Trautag.

2001 eingeweiht
Das neue Feldberghaus

2002

Es ist der Feldberg im Taunus, auf dessen Gipfel der Herr seinem Knecht Robert Gernhardt erscheint, um ihm das 11. Gebot zu offenbaren, das zu Lebzeiten des Gottesknechtes Moses auf den Steintafeln keinen Platz mehr fand. Es lautet:

Du sollst nicht lärmen.

Zur Zeit der Geschehnisse auf dem Berge Sinai fehlte auch noch die dringende Erfordernis für dieses 11. Gebot, denn Hubschrauber, Laubbläser, Kehrmaschinen, Handys, Rasenmäher und Busse der Stadt Frankfurt am Main waren noch nicht erfunden, man kannte noch keine Pressluft und hämmernde Autoradios. Aus: In Zungen reden S. Fischer Verlag

März 2005

Der Limes (s. unter 200 n. Chr.) wird von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

März 2006

findet das Feldberg-Fest zum 150. Male statt. Susanne Eckermann/Niederreifenberg bringt aus diesem Anlass eine geschichtliche Aufarbeitung darüber heraus. Wer also wissen möchte, warum das Fest einige Male ausfiel und warum es manchmal auf der Stiertädter Heide oder in Frankfurt-Höchst oder sonstwo stattfand, der besorge sich hier das 80 Seiten starke Heft über die Geschichte des Feldberg-Turnfestes: fam.eckermann@t-online.de .

März 2007

Obwohl der Fernmeldeturm mittlerweile unter Denkmalschutz steht, wird die 15m hohe, nutzlos gewordene Fernsehantenne abmontiert.

Alles Ungeheuer
2007 Ungeheuer-Nachfahren im Archiv

März 2009

Die Roemer sind wieder da.
Seit September 2009 stehen wieder drei roemische Wachtuerme
auf dem Feldberg. Ein Foto von Susanne Eckermann

März 2011

März 2011 Auf den kleinen Bruder des Großen Feldbergs, dem Kleinen Feldberg, haben sich im September 70 Wissenschaftler aus ganz Europa, China, Pakistan, den USA und Kanada unter der Leitung Dr. John Crowley vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz eingefunden, um die Zusammensetzung der Luft im Taunus zu erforschen. Sie wollen herausfinden, wie gut die Atmosphäre in Ballungsgebieten Schadstoffe aus eigener Kraft reinigen kann. Dazu haben sie zusätzlich zu den im dortigen Taunus-Observatorium bereits vorhandenen Analysegeräte noch ca. 50 weitere mitgebracht.

Es wird allerdings etwa zwei Jahre dauern, bis die Messergebnisse wissenschaftlich ausgewertet sein werden.

Am 15.11.2011

wurde auf dem Großen Feldberg ein Gipfelkreuz aufgestellt, am 20.11. hat es Pfarrer Hanns-Jörg Meiller geweiht. Das Kreuz, 3,50m hoch und 2,70m breit, besteht aus Eisen, ist verzinkt und leuchtet deshalb in der Sonne. Das Zentrum bildet ein Taunus-Quarzit.

Das neue Gipfelkreuz am 15.11.
Das Feldberg-Gipfelkreuz wurde am 15.11.2011 aufgestellt.
Foto: Susanne Eckermann

Literatur: Das Feldberg-Buch, Verlag Waldemar Kramer

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